Christian Graschas Statement zum Impfen

Einbeck.

Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass zum Ende des Jahres 2020 schon ein zugelassener Impfstoff zur Verfügung steht? Das ist eine großartige Leistung der Wissenschaft und Forschung, die uns zuversichtlich stimmen kann. Der Impfstoff ist ein entscheidender Baustein, um die Pandemie bewältigen zu können.

Auch, wenn es jetzt langsam etwas besser läuft, muss man sagen: Niedersachsen hat den Impfstart zunächst gehörig verschlafen. Ende Dezember bildete unser Bundesland das Schlusslicht im Impfvergleich, tausende Impfdosen lagerten tagelang in Kühlschränken, statt zum Einsatz zu kommen. Hier wurde wertvolle Zeit verschenkt, das darf in solch einer akuten Krise nicht passieren. Neben den Versäumnissen der Landesregierung muss aber auch die zentrale Impfstoffbeschaffung in den Blick genommen werden. Es ist unverständlich, weshalb der Bund das Angebot ausgeschlagen hat, von Anfang an mehr Impfstoff bei den Herstellern zu bestellen. Andere Länder, wie Großbritannien, USA oder Israel haben offenbar besser agiert. 

Hauptproblem hier in Niedersachsen war und ist eine mangelhafte Kommunikation rund um die Impfstrategie. Was zunächst dazu führte, dass viele Landkreise keinen Impfstoff bestellten, setzt sich jetzt bei der Information der Impfberechtigten fort. Das Vorhaben, alle über 80-jährigen Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen, die nicht in Pflegeheimen leben, anzuschreiben, um sie darüber zu informieren, wann, wie und wo sie Termine vereinbaren und sich impfen lassen können, ist wichtig und richtig. Dass das Sozialministerium dafür jedoch zunächst nur auf die unvollständigen Adressdaten eines privaten Dienstleisters zurückgreifen wollte, zeigt eine signifikante Nachlässigkeit im Umgang mit der Krise. Die Politik muss sicherstellen, dass vor allem die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen so schnell und gut wie möglich vor dem Corona-Virus geschützt werden. Lückenhafte Informationskampagnen, die mehr verwirren, als sie nutzen, sind dabei absolut kontraproduktiv.  Erst auf – auch unseren – Druck hin, wird nun die angebotene Hilfe der Kommunen in Anspruch genommen, die für den Versand auf die Daten des Einwohnermelderegisters zurückgreifen können.

Bei all den genannten Mängeln und Pannen darf aber der oftmals unermüdliche Einsatz all der Menschen, die vor Ort auch im Landkreis Northeim dabei helfen, die Pandemie in den Griff zu bekommen, nicht vergessen werden. Besonders hervorzuheben sind dabei die Hilfsorganisationen, Freiwilligen und Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass wir es gemeinsam schaffen, diese Krise zu überstehen.

Um die Impfkampagne wirklich erfolgreich anlaufen zu lassen, bedarf es nun transparente Informationen zum Ablauf der Impfung und zum Impfstoff selbst. Auch die nächste Gruppe der über 70jährigen sollten direkt angeschrieben werden. Eine Mehrzahl dieser Mitbürgerinnen und Mitbürger lebt nicht in Alten- und Pflegeheimen, sondern zu Hause. Gerade für ältere Menschen, deren Mobilität ebenfalls eingeschränkt ist, sollte es dezentrale Impfstellen geben oder der pandemiesichere Transport zum Impfzentrum in Northeim muss organisiert werden. Die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger sind stark von schweren Verläufen der Erkrankung betroffen. Die Todeszahlen sind hier besonders hoch. Wenn vor allem in dieser Gruppe eine hohe Impfquote erreicht wird, ist dies ein individueller Schutz für jede und jeden und ebnet für unser Land den Weg zurück in die Normalität.