"In diesem Staat wollte ich nicht leben" – Manfred Casper berichtet von seiner Flucht aus der DDR

Hardegsen.

Aus Anlass des 17. Juni 1953, dem Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR, berichtet Manfred Casper über seinen Lebensweg: von einer glücklichen Kindheit in der DDR, den Reisen in den Westen vor dem Mauerbau, der später allgegenwärtigen sozialistischen Ideologie und Propaganda, der Unfreiheit bei der Meinungsäußerung, beim Reisen und der Berufswahl, bis hin zur missglückten Flucht, der Haft und dem Freikauf in die BRD sowie dem langen Arm der Stasi.

„In diesem Staat wollte ich nicht leben“, sagt Manfred Casper immer wieder und lädt seine Zuhörer im Muthaus-Saal der Burg Hardeg auf eine Reise in die deutsch-deutsche Vergangenheit ein. Auf Einladung des FDP-Kreisverbandes Northeim und der Friedrich-Naumann- sowie der Rudolf-Bennigsen-Stiftung ‚Für die Freiheit‘ erzählt er mit authentischen Dokumenten von seiner Freiheitsliebe. Die ist bei ihm als 18jährigen jungen Mann schon so stark ausgeprägt und wird durch die Zerschlagung des Prager Frühlings 1968 beflügelt, dass er 1969 seine Flucht aus der DDR über Bulgarien plant. Sie misslingt und Casper wird als Verbrecher wegen „Republikflucht“ zu einer Haftstrafe verurteilt. Auch im Gefägnis bleibt er Systemkritiker, widersetzt sich den ideologischen Umerziehungsmaßnahmen, erfüllt seine Arbeitsnormen nicht und stellt mehrereAusreiseanträge - immer in der Gefahr einen "Nachschlag" - eine Haftverlängerung - zu bekommen. 1971 wird er von der BRD freigekauft.

Doch auch in der Bundesrepublik wird er von der Stasi bespitzelt. 700 Seiten dick ist die Stasi-Akte und dennoch nicht vollständig, berichtet Manfred Casper. Sein biografischer Vortrag macht die Bespitzelung durch die Stasi, die demagogische Diktatur in der DDR und deren wirtschaftlichen Niedergang, den er aus dem Westen und über Kontakte zu Verwandten in der DDR mitverfolgte, lebendig. Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls im Jahr 2019 wird im Herbst sein Buch „Vom Wachsen der Flügel“ erscheinen.

Thomas Spangenberg, Vorsitzender des Ortsverbandes der FDP Hardegsen-Uslar-Bodenfelde und Christian Grascha, Landtagsabgeordneter aus Einbeck, würdigten Manfred Caspers Vortrag als hervorragendes Beispiel für den liberalen Freiheitswillen. Beide dankten dem Referenten für einen spannenden Zeitzeugen-Bericht.